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Unser nächstes Heimspiel

Das nächste Heimspiel in der Tischtennis-Bundesliga findet statt am:

Sonntag,
19.02.2012, 15:00 Uhr
Main-Kinzig-Halle Hanau



TG 1837 Hanau -




TTC matec Frickenhausen

TT-Projekt von europäischer Dimension
28. Juni 2010   

joherrmann-180TGH-Teammanager Johannes Herrmann im Gespräch
Am 24. April bestritten die Bundesligaprofis der TG Hanau ihr letztes Pflichtspiel, das Europapokal-Halbfinalrückspiel beim übermächtigen Hessen-Rivalen Fulda-Maberzell. Zwei Wochen zuvor hatten Mengel & Co. mit einem grandiosen Auftritt in Saarbrücken endgültig den Klassenerhalt in Europas stärkster Tischtennisliga unter Dach und Fach gebracht. Bis zur ersten Septemberwoche müssen sich die Fans des kleinen Zelluloidballs noch gedulden, in der der Vorhang zur zweiten Bundesligasaison der Brüder-Grimm-Städter fällt. Hinter den Kulissen herrscht bereits emsiges Treiben. Generell war man in den letzten zwei Monaten alles andere als untätig. Dr. Stephan Roscher unterhielt sich mit Johannes Herrmann über die weiteren Chancen und Perspektiven des „Rhein-Main-Projekts Aufschlag Hanau“. Der 37-jährige TGH-Teammanager, der auch als Lehrertrainer im Leistungssportprojekt Tischtennis an der Carl-von-Weinberg-Schule, der Partnerschule des Olympiastützpunkts Frankfurt, fungiert, macht deutlich, dass das Hanauer Erfolgsmodell mit unverminderter Schubkraft und gesteigerter Effektivität fortgesetzt werden soll, zeigt aber auch auf, an welchen Stellen noch Nachbesserungen erfolgen müssen, will man wirklich bald zu den ganz Großen dieser dynamischen Sportart in Deutschland zählen und in der Brüder-Grimm-Stadt die entsprechenden Strukturen verankern.


Herr Herrmann, vor fast acht Wochen hat die TGH ihr letztes Pflichtspiel der erfolgreich verlaufenen ersten Profi-Saison 2009/10 bestritten. Was hat sich seitdem getan? Mancher denkt vielleicht, das Management würde seit Saisonende das Leben in vollen Zügen genießen und Langzeiturlaub machen.

J. Herrmann: „Nein, wir haben die Hände nicht in den Schoß fallen lassen. Bei uns ist der Wechsel der Trainingsgruppe nach Hanau das Großprojekt schlechthin. Seit Wochen sind wir - Gesamtverein, Vorstand und Tischtennismanagement - dabei, alles in trockene Tücher zu bringen. Die ehemalige Highschool-Halle am Argonner Park soll das neue Domizil von Helmut Hampl und seinen Jungs werden. In dieser Sporthalle können wir künftig unser Trainingsprogramm zweimal am Tag fahren. Wir werden als „Tischtennis-Außenstelle Frankfurt“ Bundesstützpunkt sein. Das ist schon einmal ein großer Schritt im Rahmen des Gesamtprojekts, auf den wir alle stolz sein können. Er bedeutet für uns natürlich auch die Verpflichtung, alles nachhaltig anzulegen und die entsprechenden Bedingungen zu schaffen wie roter Hallenboden, Möglichkeiten im konditionellen Bereich, physiotherapeutische Maßnahmen, Trainerstruktur und vieles mehr. Der Deutsche Tischtennis-Bund und besonders der künftige Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf wollen in Hanau Deutschlands Talente sehen und sichten.“

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Foto: Dr. Stephan Roscher

„Rossi“ wird also auch als Bundestrainer ein Standbein in Hanau haben?

J. Herrmann: „Das ist richtig, Jörg wird auch in Hanau einen wichtigen Einsatzort haben. Hier werden unter anderem Nationalspieler wie Timo Boll, Steffen Mengel, Patrick Franziska oder Philipp Floritz trainieren. Weitere Topspieler und außergewöhnliche Talente wollen wir nach Hanau ziehen. Die Trainingsgruppe hier soll deutlich stärker werden als es die in Höchst im Odenwald war, die schon einen äußerst guten Ruf hatte. Aber Hanau bietet ganz andere, auch für europäische Stars interessante Möglichkeiten. Wir befinden uns in der Nähe des Rhein-Main-Flughafens und können ausgewählten Spielern die Möglichkeit bieten, hier unter Topbedingungen zu leben und zu trainieren. Der Bundestrainer wird häufig vor Ort sein und auch selbst in Hanau Training durchführen. Slobodan Grujic, der auch als serbischer Nationalcoach fungiert und Assistenztrainer des Hessischen Tischtennis-Verbandes ist, wird zudem für uns als Co-Trainer auf Honorarbasis arbeiten – „Bobo“ Grujic stand zusammen mit „Rossi“ und Timo in der Gönnern-Mannschaft, die zweimal die Champions League gewann.“

Wann kann es losgehen mit den Saisonvorbereitungen im neuen Tischtenniszentrum im Argonner-Park?

J. Herrmann: „Der dreiwöchige Vorbereitungslehrgang für unsere Bundesligamannschaft soll dort am 9. August beginnen. Am 21. August wird es ein großes Fest im Argonner Park geben, das wir als Tag der offenen Tür für die Präsentation unseres neuen Tischtenniszentrums nutzen werden. Das ist natürlich eine Riesenchance für uns, uns vor so vielen Menschen zu zeigen und eventuell zusätzliche Sponsoren zu gewinnen.“

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Foto: Dr. Stephan Roscher

Was plant die TGH in der zweiten Bundesligasaison? Wird es Neuerungen geben oder geht alles so weiter wie bisher?


J. Herrmann: „Was die Bundesligaspiele betrifft, bleibt erst einmal alles beim Alten. Wir werden in der Main-Kinzig-Halle bleiben, die sich ja letzte Saison für Bundesligatischtennis bewährt hat und wo wir einen Schnitt von bald 1.000 Zuschauern hatten. Natürlich träumt man bisweilen von einem echten Center Court wie in Düsseldorf, aber das ist alles Zukunftsmusik. Wir wollen die Kirche erst einmal im Dorf lassen. Wir beabsichtigen, die Fans, insbesondere auch Familien und die Kids, wieder mit einem attraktiven Rahmenprogramm zu begeistern und wollen den Eventcharakter der Partien beibehalten und eventuell noch ausbauen. Beim Abschiedsspiel für Jörg Roßkopf hat man ja gesehen, was bei besonderen Highlight-Spielen möglich ist, allerdings mit hohem finanziellen Aufwand.“

Wird denn die TGH auch kommende Saison wieder im ETTU-Cup starten – immerhin feierte man mit dem Einzug ins Halbfinale des „Europapokals“ einen großen Erfolg auf internationaler Bühne?

J. Herrmann: „Wir werden nicht am ETTU-Cup teilnehmen, da wir uns voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren wollen. Um unsere Ressourcen voll und ganz zu bündeln, haben wir dies einheitlich abgestimmt und beschlossen. Für uns hat die Bundesliga absolute Priorität."

Wie verlaufen die Marketingaktivitäten? Gibt es neue Sponsoren oder Werbepartner?

J. Herrmann: „Die Sponsorenfrage ist ein wichtiger Punkt, ja sogar die Stellschraube schlechthin in dem ganzen System, wenn man - wie wir - etwas bewegen will. Wir benötigen für die nächste Saison noch einige Euros, um auf sicheren Füßen zu stehen. Natürlich ist es wirtschaftlich eine schwierige Zeit, wir können aber unseren Sponsoren einen guten Gegenwert bieten. Wir genießen eine sportliche Ausnahmestellung im östlichen Rhein-Main-Gebiet, ja man könnte uns sogar als Platzhirsch bezeichnen. Wir bieten tollen, dynamischen Bundesligasport mit sympathischen Weltklasseakteuren und einem begeisterungsfähigen Umfeld. Annähernd tausend Zuschauer sahen durchschnittlich jedes unserer Spiele in unserer ersten Saison in der höchsten deutschen Spielklasse. Bei uns können sich Sponsoren richtig gut abbilden und entsprechend zur Geltung kommen. Hier sind sie nicht nur einer von ganz Vielen wie im Fußball. Wir hoffen, dass sich der eine oder andere potenzielle Partner in den nächsten Wochen noch vom Tischtennis-Virus infizieren lässt und in das Rhein-Main-Projekt „Aufschlag Hanau“ einsteigt. Wir müssen in den nächsten Wochen angesichts der oben skizzierten rasanten Weiterentwicklung unserer Projekte noch Lücken stopfen. Manches ist eben auch stark von der Sponsorenentwicklung abhängig. Wir haben hier tolle Möglichkeiten und Perspektiven, nicht zuletzt durch die große Unterstützung der Stadt und ihres Oberbürgermeisters Claus Kaminsky, für den unser Projekt ganz oben auf der Agenda steht. Die Stadt Hanau identifiziert sich mit unseren Zielvorstellungen und stellt eine wichtige Säule des Projekts dar. Nicht von ungefähr finden sich auch städtische Unternehmen in unserem Sponsorenportfolio. Wir sind der Stadt und der Politik zu großem Dank verpflichtet. Jetzt gilt es aber, noch zusätzliche freie Unternehmen zu finden, die im Rahmen der sensationell guten Werbemöglichkeiten auf sich aufmerksam machen möchten.“

Ist Jörg Roßkopf in etwaige Verhandlungen eingebunden?

J. Herrmann: „Natürlich hat auch Jörg in der neuen Saison bei den Gesprächen eine wichtige Bedeutung für uns. Mit seinem Namen und seiner Ausstrahlung wird uns „Rossi“ manche Tür zu öffnen helfen. Wir sind sehr froh darüber, dass er uns als Botschafter, Berater und Werbeträger erhalten bleibt und als Bundestrainer in dem neuen Bundesstützpunkt ein wichtiges Betätigungsfeld finden wird.“

Auch Schulsportaktivitäten sollen künftig eine besondere Rolle spielen. Ist da schon etwas in Sicht?


J. Herrmann: „Generell sind eine Menge unterschiedlicher Aktivitäten geplant, darunter auch im Schulsport, wo diverse Maßnahmen angedacht sind. Manches ist auch schon konkret. So werden wir mit unserem Partner Fraport AG einen Schul-Cup veranstalten. Wir beabsichtigen, Schulkooperationen aufzubauen. Nachwuchsarbeit und Unterbau sind uns wichtig, sowohl für die Breite als auch für den Spitzensport. Jörg Roßkopf hat zu Recht die rhetorisch gemeine Frage in den Raum gestellt, warum nicht auch einmal ein künftiger Timo Boll aus Hanau kommen sollte. Wir beschäftigen uns aber auch mit weiteren Bereichen. Ganz konkret steht ein Integrationsprojekt zusammen mit LOTTO Hessen auf dem Programm, bei dem es um die Integration von Behinderten durch den Sport geht. Zusammen mit der Fraport AG wird es auch ein Gesundheitssportprojekt Tischtennis für deren Mitarbeiter geben, zunächst also intern. Für uns ist es jedoch ein Pilotprojekt, das später vielleicht auf eine breitere Basis gestellt werden könnte. Uns ist es wichtig, auf diesem Weg neue Zielgruppen anzusprechen und unser Netzwerk zu vergrößern. Zudem können wir im Zuge solcher Projekte und Kooperationen weitere Abbildungsflächen für Partner und Sponsoren anbieten und gemeinsam mit diesen unsere Philosophie umsetzen.“

Nun aber konkret zur kommenden Bundesligasaison: Die Kader der Konkurrenten, die sich teilweise auch gut verstärkt haben, sind ja inzwischen bekannt. Wie definieren Sie das Saisonziel der Hanauer Mannschaft?

J. Herrmann: „Schon aufgrund des Spielmodus sind immer Überraschungen möglich, aber generell gehe ich davon aus, dass wir eine stärkere TGH-Mannschaft als letzte Saison sehen werden. Mit Yang Zi, der auch ein sehr guter Doppelspieler ist, haben wir eine starke Nummer eins verpflichtet und mit dem international erfahrenen Thomas Keinath einen Spieler für uns gewonnen, der sich als waschechter Hanauer besonders ins Zeug legen wird. Dahinter stehen unsere beiden großen Talente Steffen Mengel und Patrick Franziska. Mengel hatte ja schon in der Rückrunde für Furore gesorgt und namhafte Gegner in Serie geschlagen. Unser Ziel ist ein Mittelfeldplatz, mit den Abstiegsrängen wollen wir diesmal nichts mehr zu tun haben. Unter den Konkurrenten ist Aufsteiger Gräfelfing auf dem Papier eindeutig am schwächsten besetzt, während gegen die restlichen Teams vieles von der Tagesform abhängen wird. Triple-Gewinner Düsseldorf hat natürlich wieder eine Supertruppe am Start, sofern sie mit Timo Boll antreten. Ohne ihn sind sie dagegen nicht unschlagbar. Sehen wir einmal von der Borussia und Gräfelfing ab, erblicke ich acht Mannschaften auf Augenhöhe – und wir zählen dazu. Zwischen diesen wird aber nicht nur die Tagesform entscheiden, sondern auch Vertragliches wird von Bedeutung sein, etwa welche Spieler alle Partien mitmachen oder nur von Fall zu Fall spielen. Wir aber konzentrieren uns wieder auf uns selbst und werden versuchen, in jedem Spiel die optimale Leistung abzurufen. Ich glaube daran, dass wir diesmal etwas weiter nach oben kommen werden als letzte Saison, wo wir mit Platz acht wirklich zufrieden sein konnten.“

Bei der WM in Moskau hat Neuzugang Yang Zi enttäuscht, während Neuzugang Thomas Keinath wegen einer Verletzung auf den Start verzichten musste. Keinath hat zudem in der ersten französischen Liga diesmal keine sehr gute Bilanz erzielt. Bereitet Ihnen das Sorgen oder zählt das alles nichts mehr, wenn der Startschuss zur Saison 2010/11 fällt?

J. Herrmann: „Entscheidend ist nur, wie sich die Spieler bei uns präsentieren. Ich bin sicher, dass die vorzüglichen Trainingsbedingungen in unserer neuen Hanauer Trainingsgruppe und die ständige Präsenz vor Ort allen zugute kommen werden. Am 9. August beginnt der Vorbereitungslehrgang, Yang Zi stößt wegen internationaler Verpflichtungen erst eine Woche später zu uns. Er wird - wie alle anderen auch - in Hanau leben und ständig in unserer Trainingsgruppe präsent sein. Für uns ist es ganz wichtig, dass wir alle vor Ort haben. Steffen Mengel zieht diese Woche um und auch Patrick Franziska, Philipp Floritz, der kommende Saison beim Ligarivalen SV Plüderhausen spielt, und Christoph Schmidl, der in der 2. Liga für den SV Tegernheim aufschlagen wird, werden nach Hanau ziehen. Wir werden auch noch drei Zimmer an Sparringspartner vergeben. Hier ist zum Beispiel gerade der russische Topspieler Igor Rubtsov im Gespräch. Jörg Roßkopf wird einen wichtigen Part als „Zulieferer“ spielen. Unsere Bestrebungen laufen dahin, in Hanau ein internationales Trainingszentrum aufzubauen mit zehn bis zwölf Spielern, die regelmäßig vor Ort sind und unter Topbedingungen arbeiten können. Es soll ein Projekt von europäischer Dimension werden, ein Trainingszentrum der Güteklasse des Deutschen Tischtennis-Zentrums in Düsseldorf, der Werner-Schlager-Akademie in Österreich oder des Leistungszentrums in Ochsenhausen, natürlich kleiner angelegt als die ersten beiden, qualitativ aber ebenbürtig. Timo Boll wird weiterhin die Hälfte seiner Trainingseinheiten bei uns absolvieren, das ist schon ein Pfund, mit dem man wuchern kann, wenn die Nummer zwei der Welt hier regelmäßig trainiert.“

Nach dem Plan der TGH soll die Mannschaft in vier Jahren in der Champions League spielen. Diesmal kam man immerhin schon ins Halbfinale des Europapokals. Bleibt es bei der alten Zielvorgabe oder soll der TGH-Express beschleunigt werden?

J. Herrmann: „Wir wollen nichts überstürzt angehen, sondern erst für finanzielle Mittel und Infrastruktur sorgen, bevor wir die ganz große Bühne anpeilen. Was bringt es uns, einmal Champions League schlecht vorbereitet zu spielen? Wir streben nachhaltige Lösungen an und wollen uns Schritt für Schritt gezielt verbessern. Ein Hauruck-Verfahren nützt keinem etwas, die vier Jahre sind schon eine realistische Zeitschiene. Bis dahin werden wir noch viel Arbeit haben, auch schon in den nächsten Wochen.“

(Interview: Dr. Stephan Roscher)

 

 

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